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Lob der Pause

Silva Müller
Juli 11, 2026


Nach dem alljährlichen turbulenten Endspurt im Schuljahr starte ich heute in die Ferien, eigentlich.
Denn nach dem Schuljahr ist vor dem Schuljahr und somit gibt es noch einige Tage Arbeit ohne Unterricht und Kinder.
Solltest du nicht im Schuldienst tätig sein, erkläre ich kurz, was dies in meinem Fall heißt:
– Klassenraum ausräumen und neuen Klassenraum einräumen;
– Materialien der Fächer ordnen und neu sortieren
– Klassenlisten schreiben
– Erste-Hilfe-Kurs
– Austausch mit neuen Teampartnern
– Planung der neuen Unterrichtsinhalte
– Visionen schmieden
– Termine abstimmen … usw.

Ein Buch hat mich gefunden, auf einem kleinen Antikmarkt:
„Lob der Pause“ von Karlheinz A. Geißler. (absolute Empfehlung!)
Er beleuchtet vielschichtig die Bedeutung von Zeit, ihre Wirkung auf den Menschen, die Einflussnahme der Mächtigen auf die Zeit, das Rauben und Schenken von Zeit… uvm.
Mit Zitaten berühmter Menschen wie Goethe, Schiller und Mozart unterlegt er die Wahrnehmung von Zeit damals und heute, bis hin zur pausenlosen Dauergeschäftigkeit und den Drang, immer etwas tun zu müssen.

Zwei Zitate an dieser Stelle:
Goethe erwähnte in seiner Farbenlehre die Dualität von Zeit:
„Mit leisem Gewicht und Gegengewicht wägt sich die Natur hin und her und so entsteht ein Hüben und Drüben, ein Oben und Unten, ein Zuvor und Hernach, wodurch alle Erscheinungen bedingt werden, die uns in Raum und Zeit entgegentreten.“
Alles ist wichtig. Nur aus der Gegensätzlichkeit entsteht das Vollkommene. Yin und Yang.

Mozart kannte und arbeitete mit einer Vielzahl verschiedener Zeitqualitäten:
z.Bsp.:
Andantino – ein wenig gehend
Andantino sostenuto – ein wenig zurückhaltend gehend
Andantino grazioso; ma non troppo presto, pero non troppo adagio –
lieblich gehend, etwas schnell, aber nicht allzu schnell, jedoch auch nicht allzu langsam
Andante maestro – majestetisch gehend
Andante agitato – erregt gehend
Allegro comodo – bequem, aber schnell

Das mag auf den ersten Blick verwirrend wirken, zeigt es jedoch die mannigfaltigen Abstufungen
zwischen langsam und schnell, die für die unterschiedlichste Stimmungen, Gefühle und Zeitempfinden sorgen.

Und auch Schiller warnte damals schon: „… damit der Mensch sich selber nicht versäume.“

Lob der Pausen
Echte Pausen in meinen Alltag zu integrieren, stellt für mich die größte Herausforderung dar.
Es hat viel mit Selbstliebe und Abgrenzung zu tun.
NEIN zu sagen und mein JA zu leben.
NEIN, heute kann ich nicht zum Spieleabend kommen:
JA, ich schreibe heute Abend mein Buch weiter.

„Artensterben“ nennt Geißler diese Phänomen.
Die vielen Arten des Zeitempfindens gehen verloren.
Wenn wir nicht achtsamer sind, hetzen wir nur noch durch die Zeit, wie Zombies.

Enthetzt euch!„, ruft Herr Geißler auf.
Das ist mir neu.
Ich kenne: „Entschleunigt euch!
Hierbei, so der Autor, geht es jedoch um die Drosselung jeglichen Tempos.
Beim „Enthetzen“ reduzieren wir nur die überflüssige, zerstörerische, maßlose und gefährliche Beschleunigung.

Nehme ich mir in meinem Alltag die Zeit, diese Vielfalt wahrzunehmen oder gar einzuplanen?
Wie oft hetze ich durch meinen Tag, ohne wirklich zu spüren und wahrzunehmen?
Wie oft werde ich fremdgesteuert durch Menschen und Geräte, statt mich selbst zu steuern?

Müßiggang, Träumen, nur etwas, nicht zu viel… das im Schulalltag?


Ich nehme dieses Thema mit in meinen Urlaub, in meine Pausen.
Habe ich dich inspiriert?
Dann freue ich mich auf deine Geschichte!

Einen wunderbaren Sommer wünscht dir
Sia


geschrieben von

Silva Müller

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